Die Fahne
Die Fahne der Bürgergarde trägt die Jahreszahl 1788, obwohl die Bürgergarde erst 1813 gegründet wurde!

Sie stammt tatsächlich aus 1788. Damals gab es eine der Bürgergarde ähnliche Einrichtung, nämlich das Bürgersöhnekorps. Dieses wurde per Verfügung der Regierung zur "Verherrlichung des Jubeltages" aufgestellt, an dem Erbprinz Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg nach seiner Vermählung mit dem vielumworbenen Burgfräulein Luise Isabella von Sayn-Hachenburg-Kirchberg diese heim ins Schloß nach Weilburg führte. Als Anerkennung für den Einsatz des Bürgersöhnekorps stiftete die junge Gräfin dem Bürgersöhnekorps diese Fahne. Als Erinnerung an ihre Heimat soll die junge Gräfin die Fahne in den Sayn-Hachenburger Farben, nämlich Blau, Weiß und Gelb fertigen haben lassen. Fortan sollen diese Farben, wenn auch in anderer Reihenfolge Gelb, Blau und Weiß, die Farben der Stadt Weilburg sein.

1792 wurde das Bürgersöhnekorps aufgelöst und das Stadtgericht zog die Fahne ein.

Erbprinz Wilhelm von Nassau-Weilburg heiratete am 24.Juni 1813 Prinzessin Charlotte Louise von Sachsen-Hildburghausen, eine Nichte der Königin Luise von Preußen. 2 Tage später, nämlich am 26.Juni war es dann soweit: Das neu gegründete "Uniformierte Bürger- und Bürgersöhnekorps" nahm zu Ehren des frischvermählten Prinzenpaares Aufstellung in der Vorstadt hinter dem Landtor und paradierte dort unter dem Kommando des zum Hauptmann gewählten Weinwirts Karl Theodor Christian Leidner. Zu diesem Anlass übernahm das junge Korps die Fahne von 1788 vom Stadtgericht.

Das Jahr 1910 sollte eine Meilenstein in der Geschichte der Bürgergarde werden:

Vom Hofprediger Scheerer hatte I.K.H. Adelheid Marie, Großherzogin-Mutter, Herzogin von Nassau, Kenntnis darüber erhalten von dem wie man sagte "derangiertem" Zustand der alten Fahne. Rasch entschlossen lies sie bei ihrer großen Liebe zur Bürgergarde und für alles, was mit Weilburg zusammenhängt, im Einverstädnis mit I.K.H. Maria-Anna, Großherzog-Regentin von Luxemburg (seit 1908 Statthalterin ihres schwer erkrankten Gemahls Großherzog Wilhelm IV.), die Fahne einzufordern und mit liebevoller Pietät unter Aufwendung erheblicher Mittel restaurieren. So wurde das dreifarbige Fahnentuch durch echten Seidenstoff in den gleichen Farben ersetzt. Geblieben sind das nassauische Wappen auf der einen und das Stadtwappen auf der anderen Seite. Zum nassauischen Wappen wurden verkleinert die Wappen von Nassau und Braganza (für Großherzogin Maria-Anna) und Anhalt-Dessau (für die Großherzogin-Mutter Adelheid Marie) ergänzt sowie die Jahreszahl 1910 für das Jahr der Renovation eingestickt. Die feierliche Überreichung fand anlässlich der Kirchweih im Auftrag der beiden hohen Frauen durch den Hofprediger Scheerer statt.

1988, zum 175. Geburtstag der Bürgergarde, musste die Fahne erneut von Grund auf restauriert werden. Zur Schonung der Fahne entschied der Vorstand, die Originalfahne zukünftig nur noch zu besonderen Anlässe mitzuführen, zu allen anderen Anlässen wird das Duplikat eingeholt. Das Original wird im Stadt- und Bergbaumuseum aufbewahrt und ist dort ausgestellt.